Panama – reich und arm zugleich

Die Einfahrt zum Kanal

Und nun unser sechstes Lateinamerikanisches Land! Nachdem ich seit Januar auch in Panama arbeite, wollen wir die Gelegenheit nicht verstreichen lassen, das Land, mit dem wir vor allem den Kanal verbinden, kennenzulernen. Als Knotenpunkt der Luftfahrtgesellschaft COPA sind wir schon mehrfach hier umgestiegen und haben den Kanal aus der Luft gesucht.

Der Panamakanal definiert das Land und doch ist das Land mehr als der Kanal. Nach dem Erfolg des Suezkanals gab es genug Investoren, die wieder auf großes Geld hofften. Eine französische Gesellschaft begann 1881 mit dem Kanalbau, damals in Großkolumbien.

Durchbruch zum Atlantik

Technische Schwierigkeiten mit abrutschender Erde und große gesundheiltliche Probleme mit Gelbfieber und Malaria – es gab 22 000 Tote – verwandelten das Unterfangen 1888 in einen der größten Finanzskandale des 19ten Jahrhunderts. 1902 kauften dann die USA die Baustelle. Es gab auch andere Pläne, die beiden Ozeane zu verbinden (z.b. der Nicaragua-Kanal, der auch heute noch zu Grenzstreitigkeiten mit Costa Rica führt) und so war dies eine Gelegenheit für Präsident Roosevelt der Bau zu verwirklichen.

Ständiges Ausbaggern

Zur Absicherung des Kanals forderten die USA von Kolumbien einen 10 Meilen breiten Streifen mit allen Hoheitsrechten. Kolumbien war damit nicht einig, woraus der Panamakonflikt entstand, in dessen Rahmen die USA 1903 militärisch eingriffen und den Staat Panama gründeten. Der Kanalbau wurde dann erfolgreich bis 1914 von der US Armee durchgeführt, aber auch hier waren 6 000 Tote zu beklagen. 1921 wurde Kolumbien die formale Anerkennung von Panamas Unabhängigkeit abgerungen.

Schleuse von Miraflores

Die USA bezahlten an Panama eine jährliche Pacht von 250 000 $, die sich im Laufe der Jahre auf 2 Millionen $ erhöhte. Es kehrte keine Ruhe ein und die Situation eskalierte 1964 im Flaggenstreit. Präsident Carter schloss dann 1977 einen Vertrag, der die Übergabe des Kanals an Panama zum 31.12.1999 vorsah. Seit 2000 hat Panama nun 1000 mal höhere Einnahmen aus dem Kanal, etwa 2 Milliarden $ pro Jahr. Damit begann die rasante Entwicklung des Landes. Ein Führer erzählt uns, dass er immer wieder Amerikaner betreut, die die Übergabe als einen großen Fehler von Carter bezeichnen.

Altes und neues Panama-City

Zuerst hat dies einen Bauboom ohne Grenzen ausgelöst und Panama-City eine atemberaubende Silhouette verschafft.

Casco Viejo

Dies hat die städtische Infrastruktur hoffnungslos überfordert. Es wurden Autobahnen auf Stelzen durch die Stadt und über die Bucht gezogen – der Verkehr bricht trotzdem regelmäßig zusammen. Die Stadt und die Bucht stinken – es gibt keine Kläranlagen. Das Land investiert die Milliarden nun in drei Großprojekte:

  • Die Erweiterung des Panamakanals. Der heutige Kanal hat zwei Einschränkungen. Am Durchbruch durch die Berge ist nur Einbahnverkehr möglich und die Größe der Schiffe ist begrenzt (Panamax Klasse). 2015 sollen die Erweiterungen in Betrieb gehen.
  • Bau einer Metro.
  • Reinigung der Bucht. Das wird sicherlich am Längsten dauern. Ich denke daran, dass die Reinigung des Bodensees 25 Jahre gedauert hat.

Der Bauboom ist ungebrochen, wir sehen schöne Restaurierungsarbeiten im alten Viertel – Casco Antiguo (Weltkulturerbe). In ein paar Jahren wird das eine Touristenattraktion sein.

Müll und Kanalgras erobern das Land

Wir haben das Glück, auch noch eine ganz andere Seite des Landes kennenzulernen, wir besuchen die Ureinwohner in Embera Drua. Auf dem Weg dorthin sehen wir ein Land voll Müll und das Gras mit den drei Namen: Vietnam-Gras, Kanal-Gras und Böses Gras. Das Gras stammt aus Vietnam. Die Amerikaner verwendeten es am Kanal, um die Böschungen zu stabilisieren. Der Flugsamen hielt sich allerdings nicht an die Grenze der Kanalzone und nun wächst das Gras im ganzen Land und erstickt einheimische Pflanzen. Für die Bauern ist es ein großes Problem. Hier wurde eine Pflanze eingeschleppt, die hier keine natürlichen Feinde und das Land erobert hat.

Mit Einbaum und Aussenbordmotor

Mit dem Einbaum (und Motor) fahren wir den Rio Chagres hinauf. Der Fluss versorgt den Kanal (ein Schiff verbraucht etwa 200 000 m^2 Wasser bei einer Durchfahrt) und die Stadt mit Wasser. Im Dorf erwarten uns Jugendliche mit Musik.

Willkommen

Eine Schulklasse aus Panama ist hier, um mehr über ihre Geschichte zu lernen. Den Vortrag hält ein Einwohner, der in beiden Welten lebt: Zum Teil hier im Dorf und zum Teil ist er Professor an der Uni in Panama!

Das weltweite Spiel!

Die Bewohner hinterlassen einen zufriedenen, gelassenen Eindruck. Sie schützen den Nationalpark Chagres als ihre Heimat. Sie brauchen nicht viel, sind stolz auf ihre eigene Grundschule, die sie zur vollen Schule ausbauen und mit eigenen Lehrern versorgen wollen. Die Frauen fertigen aus Palmfasern Körbe aller Größen. Den Samen und Blättern entlocken sie vielfältige Farben, mit denen die Fasern gefärbt werden. In einem Brotkorb stecken schon mal 30 Tage Arbeit – mit unseren Massstäben unbezahlbar.

Tattoo

Traditionelle Kleidung der Frauen

Es gibt einen Ältestenrat, einen Arzt, der alle Kräuter des Waldes kennt, und einen Tattoomaler. Eigentlich ist es kein Tattoo, da es nicht permanent ist. Die Farbe wird aus einer Frucht gewonnen und dunkelt in den folgenden Stunden stark nach. Das muss ich natürlich ausprobieren – mal sehen wie lang das hält.

Panama zeigt uns eine weitere Variante des Kolonialismus, wie wirtschaftliche und strategische Interessen ein kleines Land beeinflussen. Mit den Kanaleinnahmen veränderte sich das Land in kürzester Zeit dramatisch. Wo dieser Weg wohl hinführt?

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Ein Kommentar zu Panama – reich und arm zugleich

  1. Armin Groeger sagt:

    Hallo zusammen,

    es ist immer wieder schön, eure Reiseberichte zu lesen. Von diesen Erlebnissen könnt ihr noch zehren und berichten.
    Habt weiterhin so viel Spass, geniesst die restlichen Tage und bleibt gesund.
    Mit lieben Grüssen

    Armin

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