Puriscal – auf dem Lande

Buena Vista

Über Ostern hat Dagmar in ihrer genialen Art, die Menschen anzusprechen eine Hütte über Ostern im Hinterland – Puriscal – ausfindig gemacht. Als wir vor anderthalb Jahren hier nach Wohnungen gesucht haben, besuchten wir auch eine Wohnung in Bélen, sie war unsere 2te Wahl. Inzwischen hat ein Kollege von mir diese Wohnung gemietet – bei einem Grillfest waren wir eingeladen und alles kam uns bekannt vor. Der Vermieter war auch auf dem Fest und im Gespräch stellt sich heraus, dass er neben den Häusern auch Hütten in abgelegenen Gegenden zu vermieten hat. Diese sei aber „muy rustica“ warnt er uns.

Kreuze in der Semana Santa

So verbringen wir das Osterwochenende auf dem Lande, die Ticos sind alle am Strand. Es ist richtig ruhig in der Stadt, es gibt keine Staus.

Der Besitzer besorgt uns eine Topographische Karte und daraus kann ich dann die Koordinaten für das GPS errechnen. Es gibt in Costa Rica wenig Straßennamen – die Ticos kennen sie nicht und es gibt keine Hausnummern. Aber so sind wir präpariert. Allerdings kennt weder Google noch das Navi eine Straße dahin. Ganz einfach, nach 50km Schotterpiste links abbiegen. Der letzte Kilometer ist nur noch weicher Lehm, hier muss ich das erste Mal tatsächlich den Allrad aktivieren.

 

Von Jaco bis Quepos

Buena Vista – schöne Aussicht – der Blick geht aus 200m Höhe über den Pazifik von Jaco bis Quepos. Leider ist es etwas diesig. Ein schönes Holzhaus, etwas unvollständig eingerichtet – nur Hocker, Kühlschrank ist von Rostblattern übersät, nur Geschirr und keine Töpfe, … eben „muy rustica“.

Schnell macht Dagmar die Bekanntschaft der benachbarten Bauernfamilie, die das Haus verwaltet.

Ein Tico Bauernhaus

Am Abend lernen wir dann das lokale Leben kennen. Vor dem Abendessen wird uns der ganze Garten gezeigt, die Mangos fallen vom Baum und werden gleich gegessen. Hühner, Hunde, Katzen, Schweine leben gemeinsam auf dem Stück Land und im Haus. Es ernährt sie und verkraftet den Abfall. Alles ist warm und feucht, die Mangoreste werden über die Abgrenzung geworfen und sind in ein paar Tagen vergangen. Wir ziehen eine Maniok aus dem Boden, das Stämmchen wird mit der Machete in 10 cm lange Stücke gehackt, in den Boden gesteckt und in 6 Monaten kann man wieder ernten. Überhaupt, die Machete ist hier das Universalwerkzeug mit dem die Fingernägel geputzt und die Bäume gefällt werden.

Das Land trägt die Bewohner und ihren Müll

Das Haus besteht hauptsächlich aus einem Dach, Wellblech mit Palmenblättern verkleidet. Das ist regendicht und mehr braucht es nicht. Die Wände sind primär Sichtschutz und bestehen aus ein paar Brettern. Wichtige Telefonnummern werden an die Hauswand geschrieben. Gekocht wird auf einem Holzgestell mit Rahmen, der mit Lehm und Asche gefüllt ist. Auf 4 Steinen liegt eine Herdplatte mit Aussparungen, durch die die Flammen lodern.

Ticoabendessen

Das Abendessen ist vielseitig und schmackhaft: Maniokpuffer, Maniok gekocht, Reis, Bohnensauce, Paprika, Karotten, Chayote, Zucchini. Dazu trinkt man Tee oder Wasser. Viele Besucher kommen vorbei und wer will bekommt eine Portion. Unter 2 Glühbirnen unterhalten wir uns. Insbesondere, dass es in Deutschland kalt werden kann – deutlich unter null Grad, provoziert viele Fragen: Wie dick ist das Eis auf dem See, damit es trägt? Was macht ihr, damit das Wasser in der Wasserleitung nicht einfriert? Oder das mit dem Osterhasen, der Eier legt, sie anmalt und für die Kinder versteckt.

Enkelin und Grossvater

Beim Frühstück ist ein Kommen und Gehen. Die Großeltern, Geschwister, Nachbarn, Freunde und die Lehrerin erscheinen. Die Kinder werden vorgezeigt und immer ein Schwatz gehalten. Nach einer Weile zieht man dann weiter.

Mit dr Machete voran ...

Danach gehen wir mit dem Sohn – er ist unser Guide – zum Wasserfall. Es wird ein kleines Familienevent, die Lehrerin, ein Enkel mit Freundin, ein Bekannter und etwa 5 Hunde machen sich mit uns auf den Weg. Schnell verschwindet der Weg und unser Guide schlägt mit der Machete den Weg im Dschungel frei. Wir kommen uns wie im Abenteuerfilm vor. Es geht einen steilen Hang hinunter, dann klettern wir den Bach entlang und erreichen nach 2 Stunden einen kleinen Wasserfall. Wir baden, die Lehrerin sammelt Pflanzen für den Unterricht und an einer Liane schwingen die Mutigen und der

Don Tarzanito

Übermütige über den Fluss. Die Folgen bekomme ich ein paar Tage später zu spüren. Nun nennt mich Dagmar Don Tarzan oder Tarzanito, je nach Situation. Der Rückweg ist nur für den Guide leichter, er muss den Weg nicht mehr frei hauen. Müde und verschwitzt kommen wir zurück und werden mit einem Mittagessen aus dem Garten verwöhnt. Uns zur Ehre sind ein paar Wurstscheiben in den Topf geschnitten.

Gegen Abend bricht das Gewitter los, ein Regenumhang verhüllt uns in unserem Haus. Es gibt keinen erhofften  romantischen Sonnenuntergang und so genießen wir unser Osterpicknick im Trocknen. Schlagartig wird es dunkel und wir hören die Geräusche des Waldes – das Haus hat keine Fensterscheiben.

Dieser Beitrag wurde unter Costa Rica - Ein Abenteuer abgelegt und mit , , , , , , , , , , verschlagwortet. Setze ein Lesezeichen auf den Permalink.

2 Kommentare zu Puriscal – auf dem Lande

  1. Greta und Fritzi sagt:

    Liebes Schwesterherz,
    lieber Tarzanitogerd ;-),

    na, ihr erlebt ja wieder Sachen wie wohl kaum einer von uns!!! Habe Euch vor meinem geistigen Auge durch den Urwald laufen sehen! Mit Machete, …schwingend an Lianen, …..der helle Wahnsinn! Und bestimmt traumhaft und unvergeßlich schön.

    Wie geht es Deinem Arm, Du kleiner Tarzan?? Du weißt doch, Übermut tut selten gut. 🙂 Gute Besserung.

    Das habt ihr wieder genial geschrieben, fesselnd wie immer, mit wunderschönen Fotos, besonders das letzte!
    Dankeschön fürs „teilhaben“ lassen und alles Liebe und Gute Euch Beiden.

    Von Herzen liebe Grüße und Bussis
    Greta <3 und Fritzi

  2. Bernhard Hofmann sagt:

    Die Beschreibung des Osterausflugs lese ich in Ruhe und kommentiere sie fünf Tage vor Pfingsten, am 23.Mai 2012. Ich verinnerliche die Lebensverhältnisse in Puriscal (auf dem Lande in Costa Roca) und ich denke an Derendingen (im Landesteil Württemberg.) In welch unbeschreiblichem Luxus lebe ich hier in Derendingen im Vergleich zu den Menschen in der Region Puriscal. In Württembnerg grünt und blüht es zur Zeit in erfreuendem Ausmaß. Frühling aller Orten. Die Abende sind, auch wegen der Sommerzeit, lange hell. Und: Am Rathaus in Derendingen hängt heute die Nationalflagge, vor 63 Jahren trat das Grundgesetz der Bundesrepublik in Kraft. Denk ich an Deutschland, dann bin ich zufriden. Allen in Costa Rica wünschte ich, dass es ihnen so gut ginge wie uns in Deutschland.

Schreibe einen Kommentar

Diese Website verwendet Akismet, um Spam zu reduzieren. Erfahre mehr darüber, wie deine Kommentardaten verarbeitet werden.