Wie viele braucht es … ?

Weihnachten 2011

Weihnachten rückt näher und um den ersten Dezember herum wird hier der Weihnachtsbaum aufgestellt – eine Zypresse. In der Nachbarschaft verkauft eine Baumschule zugunsten eines Kinderheimes die Bäume. Wir haben uns vor ein paar Wochen einen Baum ausgesucht und beim Abholen wird er direkt aus der Erde gestochen. Ein Eimer mit ein paar Steinen bilden den Ständer, etwas Wasser kommt hinein damit er länger grün bleibt. Wir schmücken ihn in der lokalen Kultur – die Ticos mögen es gern bunt und so wird unser Baum lila.

Tja, fast hätte ich es vergessen und schon wieder ist ein Jahr rum. Dagmar hat mir ein Überraschungsfest ausgerichtet. Erst hier in Escazú und dann eine geheimnisvolles Wochenende.

Geburtstag am Pool

Wir haben unsere Nachbarn und Freunde an den Pool eingeladen – ja, es fängt jetzt die warme und trockene Jahreszeit an. Noch herrscht Wind, der dann im Januar auch verschwindet. Wir genießen die warme Sonne im Dezember. Die Ticos nennen die Zeit „el verano“ – der Sommer. Weißwürste, süßer Senf, Brezeln und Weißbier zum Brunch müssen wir den Gästen erklären: Warum sind Weißwürste weiß? Warum müssen diese vor dem 12-Uhr-Läuten gegessen werden? Was ist ein 12-Uhr-Läuten? Und wie werden die Weißwürste gegessen?  Ich demonstriere Zuzeln und Schälen. Was ist Weißbier und wie gießt man das ein? Jeder darf probieren! Dann tauchen ein Saxophonist und ein Gitarrist auf – ich bin platt – und wir genießen die Stunden entspannt mit gutem Essen, Musik und Gesprächen. Am Abend werde ich noch ins Ballett im Nationaltheater und zu einen Dinner entführt. Was für ein Tag!

Las Posadas

Aus Mexico stammt ein Brauch, der hier im Kondominium seit Jahren gepflegt wird: Las Posadas. Es erinnert an die Wanderung von Maria und Josef nach Betlehem und die Schwierigkeit, eine Bleibe zu finden. Es entspricht dem Krippenspiel in unseren Kirchen. Hier im Kondominium ist es ein regelmäßiges Fest für die Kinder der Gärtner. Wir treffen uns am Pool, ein Esel wird gebracht und zwei Kinder spielen Maria und Josef auf dem Weg nach Betlehem. Drei Frauen und ein Laienprediger singen und sprechen Gebete und so zieht die Karawane den Berg hinauf zu einem der Häuser. Hier versucht das Paar, singend Einlass zu bekommen und wird singend 4 mal zurück gewiesen. Doch schließlich hat die Besitzerin Erbarmen und das Paar wird eingelassen. Es gibt Geschenke für alle Kinder (Schuhe, Jeans, Fußball, …), für die wir vorher Geld eingesammelt haben. 

Los geht’s mit Nature Air

Das Überraschungswochenende startet mit kleinem Gepäck, wir sind mit Nature Air unterwegs zur Bahia Drake. Es passen gerade mal 19 Leute in den Flieger. Wir brauchen 35 Minuten für die Strecke, die mit dem Auto 7h braucht und genießen Ausblicke über San Jose – wir finden unser Haus! – und die Bergketten, die wir im Mai befahren haben. Wir landen in Drake Bay Airport  auf einem Stück Wiese und ein Range Rover holt uns ab. 20 Minuten lang winden wir uns bergauf und ab über Schotterpisten zur Küste, durchqueren ein Flüsschen und testen waghalsige Brücken.

Hier gibt's keine Straße mehr

Schließlich hört auch die Straße auf und wir stehen am Strand. Wir ziehen die Schuhe aus, krempeln die Hosen hoch und steigen ins Boot – es gibt keinen anderen Weg ins Drake Bay Wilderness Ressort. Langsam nähern wir uns dem Grundstück auf der Landzunge zwischen dem Rio Aguajitas (natürlich mit Krokodilen) und der Bucht.  Diese  trägt ihren Namen von Francis Drake, der auf seiner berühmten Weltumsegelung auf der vorgelagerten Isla del Caño Frischwasser gebunkert hat.

Wir wandern die Küste entlang, auf Trampelpfaden und am Strand, machen Picknick. Der Pazifik ist warm und lädt zum Bade. Der Wellengang ist ganz nett, ein Brecher erwischt uns und wirbelt uns durcheinander und – meine Brille ist weg. Voll Optimismus stochern wir noch eine Weile im Wasser und müssen dann einsehen: Die Brille ist weg, die Ersatzbrille ist in Escazú. Normalerweise ist sie im Reisegepäck, aber beim Umpacken auf Minigepäck ist sie auf der Strecke geblieben. Was nun?

Dagmar (1) ruft Karim (2) an, um die Telefonnummer von Christa (3) herauszufinden, sie ist Reiseleiterin und hat vielleicht eine Idee. Karim spricht noch mit Patricia (4), sie ist Augenärztin und hat vielleicht auch eine Idee. Schließlich steht der Plan und Dagmar ruft José (4) unseren Vermieter an, der seine Frau Marcela (5) bittet, in unserer Wohnung die Ersatzbrille zu holen. Dazu muss sie die Guards (6) um den Schlüssel bitten. So kommt das „looks somewhat old“-Modell am nächsten Morgen mit dem Taxi (7) zum Flughafen an den Check-In (8) der Nature Air, die es dann dem Piloten (9) mitgibt. Am Flugfeld übernimmt dann das Taxi (10) und bringt es dem Boot (11), das es dann an der Rezeption (12) abliefert. Und es hat funktioniert!  Es braucht 12 Menschen, um eine Brille von Escazú in den Dschungel zu bringen. Soll noch einer sagen, in Costa Rica kann man nichts organisieren.

Welche ist es?

Am Montag nach unserer Rückkehr komme ich dann zu einer neuen Brille, schneller (in 3 Tagen!) und (70%) billiger, als ich es aus Deutschland kenne!

Doch zuerst muss ich einen Tag ohne Brille leben, das Fernglas dient als Notbehelf. Bei Tag geht das ja einigermaßen, aber bei Dunkelheit habe ich zuerst die Glühwürmchen auf der Wiese in der Nähe mit den Kerzen in der Ferne verwechselt. Die Kerzen stehen  auf einem festlich gedeckten Tisch mitten auf der Wiese und Blick über die Bucht im Mondschein. Was für eine Candlelight Dinner!

Am Pazifik im Mondschein, von Glühwürmchen umgeben

Am nächsten Tag gehts auf die Isla del Caño zum Schnorcheln. Wir tauchen zwischen den Korallen, vielen bunten und unbekannten Fischen. Auf der Hinfahrt finden wir Delphine, auf der Rückfahrt folgen wir einem Wal.

Delphine

 

Wo sind sie denn?

 

 

 

 

 

 

Am Sonntag geht es mit dem Schiff – es gibt ja keine Straße – die Küste entlang zum Nationalpark Corcovado. Der Park ist abgeschieden und gilt als das Gebiet der Erde mit der höchsten Biodiversität. Beim Anlanden stehen wir bis zu den Oberschenkeln im Wasser und versuchen den Wellen zu entgehen – alles etwas abenteuerlich.

Beim Aussteigen wird's nass!

Wir wandern durch den Wald, waten durch Bäche und einen Sumpf und finden viele Tiere, die wir bisher nicht gesehen

haben, einschließlich einer 2.5 m langen Schlange und einem Tapir. Wirklich lohnend!

Ein Tapir

 

Lizard - Tucan - ? - Seeadler - Buntspecht

Am Montag morgen geht’s zurück, der Alltag holt uns wieder ein. Wir kommen aus  unübersichtlichem Gebiet und werden einer genauen Drogenkontrolle unterzogen. Costa Rica ist Durchgangsland von Kolumbien nach den USA.

Ja, und jetzt nähert sich Weihnachten mit Riesenschritten. Wenn die Gärtner nicht die Weihnachtsbeleuchtung installiert hätten, könnte man das glatt übersehen. In Deuschland erinnern uns Kälte, dunkle Abende und Weihnachtsmärkte – das gibt es hier nicht. Damit es gut riecht, es etwas weihnachtlich wird, backt Dagmar Kekse und wir legen Weihnachtsmusik auf. Als Wellholz dient eine (leere!) Weinflasche. Aber wie so vieles, gibt es auch hier kleine Überraschungen: Die Kekse schmecken irgendwie merkwürdig. Liegt es an ungenauen Mengen – wir haben keine Waage? Oder ist das Mehl schlecht? Irgendwie salzig. Wir studieren die Verpackung der Margarine – da steht nichts von Salz.  Erst eine Geschmacksprobe bestätigt den Verdacht. Und das Backpulver hat auch einen Eigengeschmack. Dagmar überwindet alle Hürden – letztlich haben wir 6 verschiedene Sorten guter deutscher Weihnachtsplätzchen. ¡Qué rico!

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7 Kommentare zu Wie viele braucht es … ?

  1. Manfred Marquardt sagt:

    Ein frohes Christfest zur Sommerzeit! Hier ist es auch noch nichts mit Schnee und Kälte, jedenfalls auf unseren 400 m NN. Gestern Morgen hats ein bisschen geschneit, sanfte Flocken in windloser Stille. Aber liegen geblieben ist noch nichts. Energie sparend, Umwelt schonend, aber es duftet und klingt! Herzliche Grüße!
    Manfred

  2. Andrea Grimm sagt:

    Euch ein schoenes Weihnachtsfest im Sommer – mit nettem Besuch, den Ihr glaube ich bald bekommt. Hier in Stuttgart ist es so wie Ihr schreibt, dunkel und kalt aber eben weihnachtlich. Alles Liebe, Andrea

  3. Günther sagt:

    Es ist schön, dass ihr auch auf eine Art Wheinachten zelebrieren könnt. Tolle Bilder und Erzählungen, herzlichen Dank auch dafür. Schließlich sind wir unter einem Himmel, bei uns sieht er zurzeit sternenklar und Väterchen Frost lässt grüßen. Ein bisschen weiß ist es auch schon. Warm ist es in den Herzen und die leuchten bei so frohen Grüßen besonders. Lasst es Euch weiter gutgehen, woimmer auch auf dieser Welt und unter welchem Himmelsgesicht wir auch sind. Bei uns in Ammerbuch ist der Christbaum grün, silber und rot geschmückt. Und ein bisschen Salz an den Brötchen würden wir gern manchmal für den Meeresblick und die Sonne tauschen. Alles Gute weiterhin und ein gesegnetes Fest. Bis bald mal wieder, Liebe Grüße von Günther

  4. Bernhard Hofmann sagt:

    Grüße aus dem heute tief verschneiten Tübingen!
    Vielen Dank für die aufregende Schilderung der Geburtstagszeit von Gerd und der Vorweihnachtszeit.
    Ich schreibe Euch zum Nachdenken die Verse von Theodor Fontane:
    „Zum 24.Dezember“
    „Noch einmal ein Weihnachtsfest, / Immer kleiner wird der Rest,
    Aber nehm` ich so die Summe, / Alles Grade, alles Krrumme,
    Alles Falsche alles Rechte, / Alles Gute alles Schlechte –
    Rechnet sich aus all dem Braus / Doch ein richtig Leben raus.
    Und dies können ist das Beste 7 wohl bei diesem Weihnachtsfeste.“
    Bernhard

  5. Greta und Fritzi sagt:

    ***********************************************************************
    Liebe Dagmar, ******************************************************
    lieber Gerd, *****************************************************
    Eure Erzählungen und Abenteuer, selbst das Kekse backen ist ja eines, sie lassen uns immer wieder staunen und schmunzeln!!! 😉 **********************
    Wenn ihr irgendwann mal wieder in der „Heimat“ wohnt, was wird Euch dort alles fehlen!!! *************************************************
    Ob es hier auch mit der Brille so gut geklappt hätte? Ich wage es zu bezweifeln.

    Wir wünschen Dir, geliebtes Schwesterherz und Dir, lieber Gerd, ein wunderschönes Weihnachtsfest , das dieses Mal ja ein ganz besonderes sein wird. Laßt es Euch gut gehen, wir sind ganz sicher in Gedanken bei Euch. ********************

    Viele liebe Grüße an alle, die zu Besuch sind. *********************
    Seid nun ganz, ganz lieb und innig gedrückt von
    Greta <3 und Fritzi **************************************************
    *************************************************************************

  6. petra u conny sagt:

    ihr lieben! auf dem haufen mit weihnachtspost lag auch , ausgedruckt für conny, euer schöner brief, an frauke wurde er weiter geleitet.
    nun habt ihr sicher unter eurer zypresse schon laut „o du fröhliche“ gesungen (wir hörten sowas durch die lüfte brummeln). habt ihr uns auch gehört?
    bitte guckt an den stränden nicht nur nach gerds brille….auch meine könnte da irgendwann vorbeikommen.(braun, gleitsicht,sehr schön u teuer).
    wir wünschen eine schöne feier zur begrüßung des neuen jahres u verbleiben mit vorzüglicher hochachtung

    petra u conny

  7. Ingeborg sagt:

    Liebe Dagmar und lieber Gerd,
    kommen erst heute – nach Australienurlaub – dazu, Euch zu dem wunderbaren Bericht zu gratulieren und Euch zutiefst bewundern, wie Ihr das alles meistert. Das mit der Brille ist hitverdaechtig! 🙂
    Habts gut und machts gut in 2012, bleibt vor allem gesund und habt noch viele schoene Erlebnisse, die Ihr hoffentlich mit uns teilt!
    Lasst Euch druecken von Eurer Ingeborg & Wolfgang…zurueck in der Hitze Malaysias

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